MongolGuideMongol Guide
Mongolei Jeep Rundreise
Zurück zu Erlebnissen
Heike und Roman ReindlerJuni 200311 Min. Lesezeit

Mongolei Jeep Rundreise

Alles gepackt und hoffentlich alles dabei - unser Abenteuer kann beginnen. Eine unvergessliche Jeep-Rundreise durch die Gobi-Wüste mit ihren Dinosaurier-Fundstätten, Sanddünen und der gastfreundlichen Nomadenbevoelkerung.

Ein Reisebericht von Heike und Roman Reindler

Donnerstag, 6. Juni

Alles gepackt und hoffentlich alles dabei – unser Abenteuer kann beginnen. Die S-Bahn hat Verspätung, ich hatte unsere Flugtickets von Stuttgart nach Berlin per Internet gebucht – ich sag' Heike lieber nichts davon, die ist schon aufgeregt genug. Am Check-In klappt dann doch alles ohne Probleme. Mit der Deutschen BA fliegen wir nach Berlin. Wir warten in einem Café auf unseren Flug in die Mongolei der um 15:00 Uhr startet. Pünktlich fliegen wir in Berlin ab. Um etwa 19:30 Ortszeit landen wir in Moskau. Um 20:20 Uhr fliegen wir in Moskau ab. Unser erster Tag hat hauptsächlich aus Warten und Fliegen bestanden.

Freitag, 7. Juni

Nahtlos geht der Tag weiter – es ist 7:00 Uhr Ortszeit. Am Flughafen werden wir von Gozo, Mugi und Zula abgeholt. Heike und ich fahren mit Mugi und Zula zum Hotel. Zula legt schon los und fängt kräftig an zu erzählen. Sie wird für die nächsten Tage unsere Reiseleiterin sein. Die Sonne ist schon sehr kräftig. Wir bekommen ein geräumiges Doppelzimmer mit Dusche. Nach dem Duschen unternehmen wir mit Mugi und Zula eine Stadtrundfahrt. In Ulaanbaatar leben offiziell angemeldet 700.000 Menschen – inoffiziell sind es mehr als 1.000.000. Wir besuchen das Naturkundemuseum mit Tieren, Steinen und Dinoknochen. Am Abend speisen wir im Restaurant und schlendern zum Hotel zurück. Vor unserem Hotel steht ein Panzer, den die Russen den Mongolen geschenkt haben. Wir genehmigen uns noch ein Bier im Biergarten der Chinggis-Brauerei und schreiben Postkarten.

Samstag, 8. Juni

Boah – aufstehen, es ist doch erst 7:00 Uhr. Nach dem Duschen – es wird für die nächsten Tage die letzte sein – gehen wir zum Frühstücken. Als erstes müssen wir zur Post und die gestern geschriebenen Postkarten abgeben. Das Porto für eine Postkarte kostet 400 Thugrik, also etwa 40 Cent. Dann geht's richtig los. Kurz nachdem wir die Stadt verlassen haben, kommen wir zu einem Aussichtspunkt mit Steinhaufen. Nach einer Stunde endet für uns die geteerte Straße und es geht auf der Piste weiter. Nach mehrmaligem Nachfragen bei Nomaden finden wir unseren Lagerplatz in einer Felslandschaft namens „Baga Gasryn Tshuluu" – der „Ort der kleinen Steine". Als erstes bauen wir unser Zelt auf und haben so unsere Probleme damit, weil die Beschreibung auf Chinesisch gedruckt ist. Unterwegs haben wir eine Kamelherde gesehen – die ersten Kamele!!! Das Wetter wurde immer schlechter. So um 19:30 Uhr ist es sehr bedeckt und es weht ein starker kalter Wind.

Sonntag, 9. Juni

Heute Nacht hat es geregnet – zum Glück erst nachdem wir in unsere Schlafsäcke gekrochen sind. Nach dem Frühstück klettern wir mit Zula auf die Felsen. Von unserem Zeltplatz fahren wir zu ähnlichen Felsen, wo es eine tiefe Höhle gibt. Bei der Höhle treffen wir eine andere Gruppe. Leider verlieren wir diese Gruppe und verfahren uns gnadenlos. Für die Strecke brauchen wir mit Zwischenstopps mehr als 6 Stunden. Fast an jeder Jurte halten wir an und fragen nach dem Weg. Wir besuchen eine heilige Quelle neben einem zerstörten Kloster namens Sum Khuch Burd. Um etwa 17:00 Uhr erreichen wir die Stadt Mandalgovi. Um 19:00 Uhr haben wir einen Zeltplatz gefunden.

Montag, 10. Juni

Da wir uns gestern schon früh hingelegt haben, stehen wir heute schon bald auf: 6:20 Uhr. Die Strecke ist unschwer zu erkennen, denn teilweise sind über 6 Spuren nebeneinander. Vor allem in Gebieten, in denen es etwas öfter regnet, gibt es viele Schlaglöcher, und dann weicht man einfach aus. Um 13:30 Uhr halten wir für eine Mittagspause an einer Kamelherde. Das Gebiet ist sehr eben – man kann von Horizont zu Horizont blicken und der Himmel ist stahlblau. Um 16:00 Uhr erreichen wir die Stadt Dalandzadgad. Wir besuchen den Markt und kaufen Zigaretten für die Nomaden und Wodka für uns. Heute Abend kommen wir im Camp Chinggis-Buuls an. Heike und ich bekommen eine Jurte für uns alleine. Wir beobachten den Sonnenuntergang in der Wüste Gobi – ganz rot geht die Sonne unter.

Dienstag, 11. Juni

Nach dem Frühstück wollen wir zur Lämmergeierschlucht fahren. Zunächst fahren wir Richtung Süden in den Gobi Nationalpark. Um 12:00 treffen wir in Dalandzadgad ein und gehen ins Internet-Café bei der Post. Am Nachmittag besuchen wir noch das Museum von Südgobi. Um 17:00 Uhr erreichen wir das Tor zur Lämmergeierschlucht. Dort kaufen wir ein Schachspiel aus Filz und Keramik. Ungefähr 20 Minuten fahren wir nach dem Tor weiter und müssen dann noch 5 Kilometer laufen. Endlich dürfen wir laufen! Die Gegend sieht fast aus wie in der Schweiz: schroffe steile Berge, ein kleiner Bach inmitten von viel Grün. Das ganze Jahr über ist hier mehr oder weniger dickes Eis vorhanden. Hoch über uns segeln die Lämmergeier. Auf der Fahrt zurück sehen wir Steinböcke, die auf einem Bergkamm grasen.

Mittwoch, 12. Juni

Um 8:00 gibt es Frühstück. Die Sonne ist bereits aufgegangen und es ist keine Wolke am Himmel – das wird ein schöner Tag. Um etwa 11:00 Uhr kommen wir zu Bayanzag, dem Gebiet, in dem viele Dinosaurier gefunden wurden. Hier sieht die Wüste wirklich so aus, wie wir uns die Gobi vorgestellt haben. Danach fahren wir weiter zum Saxaulwald. Saxaulbäume sind Bonsai-ähnliche knorrige Bäume. In 20 Jahren werden sie nur ungefähr 1,5 Meter hoch. Als wir aussteigen kommen die Kamele langsam auf uns zu. In der Nähe des heutigen Camps wird gerade ein in den 30er Jahren zerstörtes Kloster langsam wieder aufgebaut. Ein Lama erzählt uns, dass am nächsten Tag die Schule eingeweiht wird und am heutigen Abend ein sehr bekannter Lama kommt, um den ersten 5 Schülern das Gelübde abzunehmen. Wir werden dazu eingeladen. Die Zeremonie beginnt um 18:30 Uhr und dauert etwas mehr als eine Stunde. Die jungen Lamas bekommen von dem alten Lama einen neuen Namen, damit alle Sünden von ihnen abfallen. Das war ein ganz schön aufregender Tag.

Donnerstag, 13. Juni

Heute erzählen uns die Besitzer des Camps – ein Ehepaar um die 40 – etwas über die Gegend. So wird das Wasser im Fluss immer weniger, weil flussaufwärts eine Goldmine liegt. Und in der Nacht haben sie eine Lichterscheinung am nördlichen Himmel gesehen, die innerhalb von 45 Minuten immer größer wurde und dann plötzlich verschwand. Nach dem Frühstück füllen wir unseren Wasservorrat an einer Quelle auf. In der nahe gelegenen Siedlung kaufen die Camp-Besitzer ihre Kamelwolle. An einem Salzwassersee namens Sangiin Dalai Noor suchen wir uns einen Rastplatz für die Nacht. Myriaden von Stechmücken zwingen uns, etwas weiter vom See wegzuziehen. Nach dem Abendessen kommen mehrere Nomadenkinder zu uns. Die Kinder sagen uns ihre Namen vor und wir müssen versuchen, sie nachzusprechen und zu merken. Heute ist unser „Bergfest" – die Hälfte unserer Reise ist vorbei. Wir feiern mit einer Flasche Wein und einer Flasche Wodka.

Freitag, 14. Juni

Schon vor dem Frühstück bekommen wir Besuch von zwei Mongolen, die mit dem Motorrad unterwegs sind. Auf dem Weg nach Kharakorum sehen wir viele große Vögel – alleine 6 Adler und unzählige Bussarde. Unterwegs halten wir bei einer Nomadenfamilie. Sie laden uns ein, in ihre Jurte zu kommen, und das Angebot, auf einem ihrer Pferde zu reiten, nehmen wir gerne an. Die Frau öffnet eine Kommode und holt Festtagskleidung raus mit den passenden traditionellen Schuhen. Bei der anderen Nachbarsfamilie erklären uns die Gastgeber alles über das Melken der Stuten und die Herstellung von Airag – vergorener Stutenmilch. Wir fahren weiter in Richtung Kharakorum, das von Dschingis Khan zur Hauptstadt der Mongolei errichtet wurde. Die größte Sehenswürdigkeit in Kharakorum ist die Tempelanlage, umgeben von 108 Türmen. Nach dem Marktbesuch finden wir einen wunderschönen Lagerplatz an dem längsten Fluss der Mongolei.

Samstag, 15. Juni

Morgens frühstücken wir am Fluss. Ein schwarzer Milan stiehlt dem Hund vor der Nase ein Fleischstück und wir „füttern" ihn eine Weile. Nach einem weiteren Marktbesuch fahren wir zum Hugn Hang Kloster. Im Kloster besichtigen wir die wiederaufgebauten Tempel und die Ruinen der Anlage. Zum Abendessen gibt es traditionelle mongolische Nudeln aus Mehl und Wasser mit Hammelfleisch. Nach dem Essen kommt jemand von einer anderen Reisegruppe zu uns und erzählt, dass der weißhaarige blinde Lama in einem Mongolei-Video von VOX-Tours vorkommt.

Sonntag, 16. Juni

Es scheint eine etwas langweiligere Fahrt zu werden. Wir fahren auf der Hauptstraße, die nach Ulaanbaatar führt. Auf dem Weg dort hin sollen wir zwei Tage bei einer Familie verbringen. Unterwegs ist eine Polizeikontrolle. Hier erfahren wir, dass die Familie vom Winterlager ins Frühlingslager an einem See umgezogen ist. Nach einigem Umherirren entscheiden wir uns, zur Winterlagerstätte zurückzufahren. Die Nachbarn sagen uns, die Familie ist 80-100 Kilometer weit weggezogen. Mittlerweile ist es 19:30 Uhr und somit zu spät, um die Familie noch zu suchen. Wir bleiben bei der Nachbarsfamilie. Der Zeltaufbau gestaltet sich echt witzig – alle wollen mithelfen. Danach gibt es Abendessen mit Suppe und mongolischem Tee. Die Kinder folgen uns und geben zu verstehen, dass sie fotografiert werden wollen – mit Händen und Füßen und einem Lachen klappt alles problemlos.

Montag, 17. Juni

Eigentlich hätten wir heute morgen beim Melken helfen dürfen, aber wir sind zu spät aufgestanden. Wir erfahren, dass die Familie vor zwei Jahren aus dem Westen der Mongolei in die Zentralregion umgezogen ist. Heike, Zula und die Frau stellen Aarod her – getrockneten Käse. Zum Trocknen werden die Bretter auf das Dach der Jurte gelegt. Dann teilt uns Zula mit, dass wir doch noch weiterfahren um die Familie zu suchen. Nach etwa drei Stunden Fahrt erreichen wir schließlich die richtige Familie. Heute Abend gibt es Ziege – extra für uns geschlachtet. Die Männer stellen aus dem Fell der Ziege ein Seil für die Fangstange her. Nach dem Essen singen die drei Kinder der Familien Lieder und tragen Gedichte vor. Später treiben die Männer die Pferdeherde zu den Jurten und zeigen uns ihre Fertigkeiten mit dem Lasso und der Fangstange. Als es 22:00 Uhr ist gibt es schon wieder etwas zu essen – gekochte Innereien aus einer großen Blechschüssel. Die Frau richtet uns mit mehreren Decken ein Lager auf dem Boden. Es ist bequemer als es aussieht und wir schlafen schnell ein.

Dienstag, 18. Juni

Wir werden von der Familie geweckt und bekommen frische warme Milch. Nach dem Frühstück machen wir einen Spaziergang zum Fluss. Aufgrund des fehlenden Regens ist der Fluss nur ein Rinnsal. Lchawga erzählt uns von den Sorgen und Nöten, die der wenige Niederschlag mit sich bringt. Sein Lieblingspferd ist nicht stark genug für das Naadam-Rennen in diesem Jahr, weil es etwas unterernährt ist. Er macht einen Spass und erzählt, dass er den Wind herbeipfeifen kann – und tatsächlich weht der Wind kurz darauf. Nach einiger Zeit zieht Lchawga seine Stiefel aus: „Die Stiefel sind noch nicht alt, und ich bin noch nie soweit gelaufen." Solche Strecken legt er immer mit dem Pferd zurück. Barfuß geht er weiter, obwohl der Boden sehr steinig ist. Nach dem Mittagessen geht es Heike nicht besonders gut – sie hat wohl einen Hitzschlag abbekommen. Bevor wir uns auf die letzte Etappe nach Ulaanbaatar machen, machen wir noch Fotos mit der ganzen Familie. Am späten Nachmittag erreichen wir Ulaanbaatar.

Mittwoch, 19. Juni

Beim Frühstück treffen wir die anderen drei, die wir auch schon in Berlin am Flughafen getroffen hatten. Danach holt uns Zula ab. Wir besuchen das berühmte Gandan-Kloster, eine Pilgerstätte, zu der jeder Mongole einmal in seinem Leben hingehen will. In einem Tempel steht eine riesige Buddha-Statue, über 20 Meter hoch. In einem anderen Tempel findet gerade eine Messe statt – einer der jüngeren Mönche hat einen Notizblock mit Ricky Martin drauf. Wir besuchen das berühmteste Kaufhaus der Stadt und ein super modernes Einkaufszentrum im westlichen Stil. Am Abend essen wir im Khan-Bräu. An beiden Brauereien – Chinggis-Beer und Khan-Bräu – sind deutsche Braumeister beteiligt.

Donnerstag, 20. Juni

Letzter Tag – wir reisen ab. Ein letzter Blick vom Hotelbalkon aus auf Ulaanbaatar und es geht schon ab Richtung Flughafen. Von Zula, Mugi und Gozo verabschieden wir uns und gehen zum Check-In. Kurz bevor unser Flug aufgerufen werden müsste kommt eine Durchsage, dass der Flug wegen schlechten Wetters verschoben werden muss. Zunächst um eine Stunde, dann immer weiter. Es wird immer knapper, dass wir unseren Anschlussflug nach Stuttgart bekommen. Dann geht es doch los. In Berlin angekommen sprinten wir durch den Flughafen – gerade noch rechtzeitig kommen wir am Schalter der Deutschen BA an.

So endet unsere Abenteuerreise in die Mongolei.

Impressionen

Mongolei Jeep Rundreise
Mongolei Jeep Rundreise

Möchten Sie ein ähnliches Abenteuer erleben?

Kontaktieren Sie uns und wir planen Ihre individuelle Mongolei-Reise.

Kontakt aufnehmen